Bekenntnisse eines Tierfreundes

 

Als Tierfreund habe ich mich schon immer  bezeichnet. Schon als Kind hatte ich eine Katze, die ich abgöttisch geliebt habe. Wenn ich im Fernsehen gesehen habe, wie ein Löwe eine Gazelle riss, war ich empört, dass die Kameraleute nicht eingriffen. Meine Katze fing einmal eine Maus. Da war ich sauer auf die Katze und traurig um die Maus. Meine Eltern erklärten mir dann immer, dass die Natur grausam sein kann. Damit müsse ich leben.

Dass ich damals viel grausamer war als Tiere, die einfach nur überleben wollten oder ihren Trieben folgten, war mir nicht bewusst. Es wurde mir sogar 25 Jahre lang nicht klar. 25 Jahre. Ein Vierteljahrhundert. 25 Jahre lang habe ich durch mein Kaufverhalten in Auftrag gegeben, dass Tiere in ihren Fäkalien leben müssen. Dass sie davon Entzündungen und Verätzungen bekommen. Dass sie von den Ammoniakdämpfen eitrige Lungen bekommen. Dass sie so überzüchtet werden, dass ihre Skelette die schnell wachsenden Fleischmassen nicht mehr tragen können. Dass deshalb sogar ihre Herzen versagen können. Dass sie als Kinder geschlachtet werden, die in Erwachsenenkörpern stecken.

25 Jahre lang habe ich mitfinanziert, dass Tiere dicht an dicht zusammengedrängt werden. So dicht, dass man den Boden kaum noch sehen kann. Dass die Tiere aufgrund der Enge im Stall kaum schlafen können, weil jede Bewegung dazu führt, dass mehrere andere Tiere weggedrückt werden. Ein Masthuhn kommt selten dazu, für länger als eine Minute zu ruhen. So etwas wird gemessen.

Ein Vierteljahrhundert lang habe ich zugelassen, dass Puten und Legehennen Teile ihrer Schnäbel abgetrennt werden. Dass Kälbern die Hörner ausgebrannt werden. Dass man Ferkeln die Schwänze abschneidet und ihnen die Eckzähne abschleift. Alles ohne Betäubung. Wissenschaftler sagen, dass es sich für einen Vogel, dem man einen Teil seines Schnabels abtrennt, so anfühlt wie für einen Menschen, dem man einen Teil seines Kiefers entfernt. Das alles wird gemacht, damit die Tiere sich nicht gegenseitig verletzen und töten. Trotzdem kratzen und beißen sie sich manchmal blutig, und sie reißen sich gegenseitig die Federn raus. Vor Langeweile. Und weil man ihnen das falsche Futter gibt. Aus Kostengründen.

25 Jahre lang habe ich durch meinen Konsum dazu beigetragen, dass jedes Jahr hunderttausende Tiere bei der Schlachtung nicht richtig betäubt werden. Dass einige Schweine im heißen Wasserbad ertrinken und dass die Schlachtindustrie kein Mitleid für diese Tiere hat, sondern nur verachtende Namen: „Matrosen“. Wirklich. „Matrosen“.

25 Jahre lang war auch ich daran schuld, dass viele Hühner und Puten bei vollem Bewusstsein miterleben, wie ihnen alle Federn aus dem Leib gerissen werden. Dass Rinder manchmal nicht richtig betäubt sind, wenn damit begonnen wird, sie zu zerlegen.

Ich habe gedacht, Bio sei die Lösung. Aber dann sah ich Biohennen ohne Federn. Dann erfuhr ich, dass auch in der Biohaltung die Brüder der Legehennen direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast werden. Dass auch Biokühe künstlich geschwängert werden, damit sie Milch geben. Dass auch ihnen die Kälber entrissen werden. Dass auch Biokühe und Biohennen geschlachtet werden, sobald sie nicht mehr die gewünschte Leistung bringen. Dass es keinen Unterschied gibt zwischen konventioneller Schlachtung und der Schlachtung für Produkte mit staatlichem Biosiegel.

Nach einem Vierteljahrhundert wollte ich für all das nicht mehr mitverantwortlich sein. Ich wollte es weder in Auftrag geben noch mitfinanzieren. Und ich habe schnell gemerkt: Selbst wenn ich Fleisch mag, kann ich Teil des Wandels werden, der sich tierfreundlich ernährt. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, und ich möchte Ihnen zeigen, wie einfach sie auch Ihnen fallen kann.

Mahi Klosterhalten

Geschäftsführer von

Albert Schweitzer Stiftung

 

Tiere und Menschen haben viele Gemeinsamkeiten, eine von denen ist die Fähigkeit zu LEIDEN. Fühle mit und triff BEWUSST Deine Entscheidung, mein lieber Mensch!

Peace & Love 

Elena 

One thought on “Bekenntnisse eines Tierfreundes

  • Bea

    Ich danke dir von Herzen, liebe Elena, für deine Erkenntnis und deine offenen Worte…

    Ich selbst bin schon seit Kindesbeinen an Vegetarierin, da mein Papa Jäger ist und die armen Rehe etc. immer direkt neben unserem Sandkasten zum Ausbluten aufgehängt wurden.
    Da habe ich immer in ihre Augen gesehen und darin die Frage: „Was habe ich euch Menschen getan, dass ich nicht länger leben darf? Warum ich?“
    Und als dann noch die neue Frau meines Vaters in unser Leben trat – ihres Zeichens Besitzerin des örtlichen Schlachthofs – war bei mir alles vorbei: Ich hatte nur noch Albträume über Schlachtungen und dass ich durch das Blut der Tiere kriechen musste etc.
    Es war schlimmer und realer als in jedem Horrorfilm.
    Wie oft ich mir seither gewünscht habe, sämtliche Schlachthöfe auf diesem Planeten ein für allemal und unwiderruflich zu zerstören oder zumindest Graffitis an deren Außenwände mit dem Wort „Mörder“ zu sprühen, um ein klares Zeichen zu setzen.

    Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen, dass die Menschen endlich aufwachen und verstehen, was wir diesen armen und hilflosen Geschöpfen damit antun. Wir hätten eigentlich die verdammte Pflicht, unsere Tiergeschwister vor allem Schmerz und Leid zu beschützen, da sie selbst ihre Stimme nicht erheben können.

    Auch ich selbst muss mir an die eigene Nase fassen, da ich es immer noch nicht geschafft habe, gänzlich vegan zu leben. Obwohl ich – angesichts des ihnen drohenden Schicksals – jedes Mal weinen muss, wenn ich die Kälbchen gemeinsam mit ihren Mamis glücklich auf den Weiden herumtollen sehe, esse ich trotzdem noch viel zu häufig Käse. Zwar möglichst Bio, aber wie du ja bereits erwähnt hast, macht das hinsichtlich der Qualen der Tiere auch keinen großen Unterschied.

    Von daher mögen wir alle gemeinsam unser Bestes geben, sämtliche tierischen Produkte soweit es geht zu meiden und damit einen Großteil der Ängste, Leiden, Qualen und Brutalitäten auf diesem Planeten zu mindern.

    Von Herz zu Herz und in tiefer Verbundenheit,

    Bea

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